Montag, 14. Mai 2012

Kutschfahrt zur Teufelsburg

Ich bin Sarah Mac Mullin, von Beruf Schlägerin, und werde gleich von der Kutsche abgeholt, die mich in dieser kalten und finsteren Nacht zur Teufelsburg bringen soll. 

Denn heute ist ein wichtiger, entscheidender Tag! Heute wollen wir, die Bruderschaft der wahren Lüge, endlich die Macht über den Orden der offenen Geheimnisse erhalten. Das Problem ist nur, dass ich meine Brüder und Schwestern noch gar nicht persönlich kenne und selbst die Briefe haben wir nie mit unseren Namen unterzeichnet. Also weiß ich noch gar nicht, wem ich heute vertrauen kann und wem nicht. Die Devise lautet: Erfahre auf dem Weg zur Teufelsburg so viel wie möglich über die Mitreisenden und gib so wenig wie möglich selbst Preis. Vielleicht kann ich schon unterwegs einen kleinen Sieg für unsere Bruderschaft verzeichnen. Aber vorher steht eine lange Reise vor mir, bei der ich herausfinden sollte, wer noch zu meiner Bruderschaft gehört. Und wenn ich weiß, dass wir drei Kelche in unserem Besitz haben, dann kann ich unseren Sieg verkünden, aber alles zu seiner Zeit und ein Schritt nach dem anderen.

Die schwarze Kutsche fährt vor und ich steige mit meinem geheimen Koffer und meinem versteckten Dolch in die Kutsche hinein. Drinnen sitzen bereits drei weitere Leute. Die Frau im blauen Kleid stellt sich als Gundla von Hohenberg vor, der bärtige Mann mit dem Monokel nennt sich Basilius Kartov. Als letztes stellt sich Bruder Zacharias vor, den man an Hand seines Gewandes und des Kreuzes, als solchen leicht identifizieren kann. Ich setze mich auf den letzten freien Platz neben den Bruder.

In der Kutsche herrscht eine angespannte Atmosphäre vor und keiner will etwas sagen, um das bedrückende Schweigen zu brechen. Also fahren wir etwa zehn Minuten lang weiter und die Stille wird nur durch das Klappern der Kutsche auf dem Kopfsteinpflaster unterbrochen. Wir beobachten uns gegenseitig, aber nur so lang die andere Person wegschaut. Irgendwer von denen gehört zu meiner Bruderschaft der wahren Lügen, nur wer? Ist es Gundla, Basilius oder Zacharias? Aber wenn ich nichts tue, werde ich nichts erfahren.

Ich biete Zacharias meinen geheimen Koffer zum Tausch gegen einen seiner Gegenstände an, denn wenn er dieses Angebot annimmt, erhalte ich einen weiteren Gegenstand. Und je mehr Gegenstände sich in meinem Besitz befinden, desto besser kann ich in den Angriff übergehen. Wenn ich aus einem Kampf als Sieger hervorgehe, muss mir die andere Person Ihre Papiere zeigen, die mir deren Gesellschaft und Beruf verraten. Alternativ kann ich mir die Gegenstände, die diese Person mit sich führt, ansehen und einen für mich behalten.

Warum soll Zacharias überhaupt meinen Koffer annehmen, wenn ich doch so eindeutig einen Vorteil durch den Tausch erhalte? Ganz einfach: Zum einen er kann einen schlechten Gegenstand loswerden und zum anderen er ist der Besitzer des Koffers, sodass er beim Tausch mit irgendwem auch einen Gegenstand erhalten würde. Wie erwartet nimmt Zacharias meinen Koffer an und ich kann einen Mantel zu meinen Gegenständen zählen. Der erste Bann ist gebrochen, es wird fleißig getauscht.
Ich sehe, wie mein Koffer und der zweite Koffer immer wieder den Besitzer wechseln. Jeder Mitreisende hat nun mindestens drei Gegenstände, aber sonst ist noch nichts bekannt. Und bisher habe ich noch keinen einzigen Kelch in meinem Besitz. Aber für den Sieg meiner Bruderschaft benötigen wir drei in unserem Besitz.


Aber das will ich nun ändern. Ich greife Basilius an. Zacharias stellt sich auf meine Seite. Zusammen hätten wir genug Kraft, um Basilius zu überwältigen und ich könnte erfahren, ob er in meiner Bruderschaft ist, oder nicht. Aber warum stellt sich Zacharias auf meine Seite? Er hätte doch nichts davon, wenn ich gegen Basilius gewinnen würde oder doch? Gehört er zu meiner Bruderschaft oder hält er diese Geheimnistuerei einfach nicht aus? Bevor ich diese Fragen beantworten kann, mischt sich Gundla ein und hilft Basilius aus. Zwei Angreifer und zwei Verteidiger. In diesem Zustand kann ich die Gesellschaft von Basilius nicht erfahren. Ist es das, worauf Zacharias spekuliert hat? Wusste er, dass ich mit diesem Angriff sowieso nicht erfolgreich sein würde? Wenn ich mich mit diesem Zustand zufrieden geben würde, erhielte ich als Entschädigung noch einen Gegenstand aus dem Vorrat. Aber ich habe noch einen Ass im Ärmel oder besser gesagt einen Dolch. Durch den Dolch erhalte ich einen Vorteil beim Angriff, aber den Überraschungseffekt habe ich nur einmal auf meiner Seite. Soll ich es wirklich jetzt schon ausspielen? Ja, ich greife Basilius zusätzlich mit meinem Dolch an, doch Gundla zückt ihre Peitsche und schlägt mir meinen Dolch aus der Hand. Sie hatte also auch eine Waffe versteckt. Nun, da mein Dolch auf dem Boden liegt und von der Peitsche umschlungen ist, kann ich den diese Runde wohl nicht mehr verwenden. Jetzt ist es wieder ein Patt. Aber nicht umsonst bin ich ein Schläger! Mit einem gut gesetzten Fausthieb, ist Basilius vorübergehend außer Gefecht gesetzt. Ich sehe mir seine Papiere an.

Oh, vielleicht hätte ich doch nicht ganz so brutal sein sollen, denn der Hypnotiseur gehört auch der Bruderschaft der wahren Lügen an. Nun weiß ich, dass Gundla und Zacharias meine Feinde sind, aber dieses Wissen dürfen die anderen noch nicht erhalten. Denn sonst ist mein Vorteil verloren. Am besten gebe ich im nächsten Kampf vor, nicht mit Basilius im Team zu sein. Denn wenn Gundla lediglich erfährt, dass Basilius nicht bei ihr im Orden ist, dann könnte ich sie immer noch mit einer netten Gefälligkeitsgeste davon überzeugen, dass Sie bei mir im Team ist. Vielleicht erhalte ich dann einen der dringend benötigten Kelche von ihr?

...ich weiß, dass die Reise nun nicht mehr so lang ist. In ein paar Minuten müssten wir bei der Teufelsburg ankommen, aber den Sieg für die Bruderschaft werde ich schon jetzt verkünden. Ich bin mir sicher, dass Basilius zwei Kelche besitzt und ich den dritten. Die Perle, die es verhindert, dass ich den Sieg verkünde, bin ich in der letzten Runde losgeworden. Was wäre, wenn Basilius einen Kelch an die anderen abgegeben hätte und ich würde unrechtmäßig den Sieg verkünden? Es wäre eine Blamage! Es wäre der Untergang für die Bruderschaft der wahren Lügen. Aber das kann diesmal nicht der Fall sein. Ich wende mich an Gundla und Zacharias, halte meinen Kelch in die Höhe und sage: "Hiermit verkünde ich den Sieg für die Bruderschaft der wahren Lügen! Basilius, zeig denen deine zwei Kelche!" Ich sehe das Entsetzen auf dem Gesicht von Gundla und ich genieße diesen Moment der Überlegenheit. Dann wandert mein Blick zu Basilius, der auch erschrocken dreinschaut. Beschämt holt Basilius einen Kelch aus seiner Tasche. EINEN!...Zacharias zeigt den anderen Kelch und fragt: "Meinst du diesen zweiten Kelch?" Mein Herz setzt für einen Augenblick aus. Ich kann es nicht fassen! Ich schaue noch einmal in den Koffer, der sich in meinem Besitz befindet. Dieser hat schon so oft den Besitzer gewechselt, dass ich weiß nicht mehr, ob es derjenige ist, den ich mitgebracht habe oder, ob es der andere ist. Hektisch öffne ich ihn und jetzt, da keine weiteren Gegenstände mehr im Koffer sind, kann ich sehen, dass der Koffer einen doppelten Boden haben muss. Ich klopfe, drücke und ziehe panisch an den unterschiedlichsten Stellen. Plötzlich macht es klick und es öffnet sich eine Klappe. Darunter ist der letzte Kelch zu finden. Es ist geschafft! Wir haben gewonnen, wenn auch nicht so, wie ich es mir gewünscht habe, aber das spielt keine Rolle mehr.

Wir halten an. Basilius und ich steigen als Sieger aus der Kutsche aus. Es war ein hart erkämpfter Sieg und ich muss mit Basilius noch klären, warum er den zweiten Kelch nicht mehr hatte.

Die Reise ist vollbracht! Der Orden konnte einen Sieg verzeichnen!

Fakten: Intrigen-Spiel
Spieler: 3 - 8 (10)
Spielzeit: 30 - 60 Minuten
Altersempfehlung: Ab 12
Webseite: http://www.ludocreatix.com/kutschfahrt/index.html


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